AbschÀumer im Nanoaquarium

„Ein Nano-Aquarium braucht keinen AbschĂ€umer“ Das ist ein Satz, den man oft liest. Ihr habt ein kleines Aquarium und da braucht ihr sowas nicht. Wir wollen hier einmal dieser Aussage auf den Zahn fĂŒhlen. Ist dieser Spruch ein Mythos oder entspricht er der Wahrheit?

Was macht ein AbschÀumer eigentlich?

Ein AbschĂ€umer ist ein GerĂ€t, welches Luft und Wasser in ĂŒberaus feinen BlĂ€schen mischt. Es gibt kleine GerĂ€te, die mit einer Membranpumpe betrieben werden. Die meisten GerĂ€te die erhĂ€ltlich sind funktionieren aber mit einer verĂ€nderten Förderpumpe. An diese feinsten BlĂ€schen heften sich Abfallprodukte und werden dadurch zu einem festen Schaum (sogenanntes Flotat).

Was macht ein AbschÀumer eigentlich?
Feine Luftblasen zieht durch AdhĂ€sion Abfallprodukte wie Eiweißketten aus dem Meerwasseraquarium.

Im AuffangbehĂ€lter des AbschĂ€umers sammelt sich dann nach und nach eine braune FlĂŒssigkeit, die es gilt regelmĂ€ĂŸig wegzuschĂŒtten!

Wenn dieser Schaum fest genug bzw. eine gewisse Menge erreicht wird es in ein extra GefĂ€ĂŸ (dem sogenannten AbschĂ€umertopf) aufgefangen und damit aus dem Aquarium entfernt.

Wie schon beschrieben entfernt der AbschÀumer auf diese Art und Weise verschiedene Abfallprodukte wie Fischkot, tote Bakterien oder abgestorbene Algen.

Überall wo Pumpen arbeiten besteht auch akute Gefahr fĂŒr kleine Lebewesen. Sie können potenziell in die Pumpe kommen oder sogar teilweise an die BlĂ€schen gefangen werden und
ebenso abgeschÀumt werden. Solch ein AbschÀumer kann also die Mikrobiologie mit Bakterien und sonstigen winzigstens Tiere dezimieren. Aber keine Sorge. Es wird niemals alles getötet, sondern maximal ein Teil davon!

Verschiedene Stoffe können die Schaumbildung im Wasser auch verĂ€ndern. Fetthaltige Stoffe (z.B. Hautfett oder Knoblauch der gern als Futterlockmittel eingesetzt wird) können die Schaumbildung zum Beispiel massiv unterdrĂŒcken oder sogar zeitweise unmöglich machen.

AuffangbehÀlter vom AbschÀumer im Meerwasseraquarium
Hier kannst du den AuffangbehĂ€lter sehen, in dem sich die unerwĂŒnschten Stoffe im Meerwasseraquarium sammeln. Unbedingt regelmĂ€ĂŸig leeren!

Andere Stoffe können die Schaumbildung massiv verstĂ€rken. In solchen Situationen kommt es zum sogenannten ÜberschĂ€umen oder Überkochen des AbschĂ€umers. Es werden extrem schnell große Mengen Schaum gebildet und landen im AbschĂ€umertopf. Innerhalb weniger Minuten ist der Topf voll mit Aquarienwasser (es werden nicht schnell genug Abfallprodukte gesammelt) und schlimmstenfalls wird bereits gesammeltes Flotat wieder ins Becken gespielt.

Ähnlich wie die bekannten „Blubbersteine“ im SĂŒĂŸwasser erfĂŒllt der AbschĂ€umer auch einen wichtigen weiteren Zweck im Meerwasseraquarium. Durch die vielen extrem feinen BlĂ€schen ist ein permanenter und intensiver Gasaustausch möglich, was sich positiv auf die Wasserparameter auswirkt.

Wann braucht man einen AbschÀumer im Nano-Meerwasseraquarium?

Willst Du in deinem Nano-Meerwasseraquarium sowieso nur Korallen halten und maximal ein oder zwei kleine Grundeln, dann sollte kein AbschÀumer notwendig sein.

Kommt es allerdings irgendwann zu immer mehr Fischen und dadurch auch zu einem vermehrtem NĂ€hrstoffaufkommen, muss ein AbschĂ€umer dafĂŒr sorgen, dass die physikalischen bzw. organischen Abfallprodukte aus dem Aquarium entfernt werden.

Entweder geht das mit dem AbschĂ€umer, oder mit regelmĂ€ĂŸigen Wasserwechseln – mit denen Du auch neues Magnesium, Kalzium und andere Spurenelemente, die man gerade als AnfĂ€nger eher nicht testet und somit auch nicht separat hinzugibt – wieder ins Nano-Riff einbringst.

Viele Korallen brauchen sogar einen gewissen Grad an NĂ€hrstoffen im Wasser, sodass ein AbschĂ€umer hier sogar kontraproduktiv wĂ€re. Andere Korallen, wie bspw. die SPS-Korallen fĂŒhlen sich eher in saubererem Wasser wohl.

Der AbschÀumer und der pH-Wert

Im Meerwasser ist der pH-Wert von großer Bedeutung, da unsere (Stein-)Korallen ein Kalkskelett aufbauen. DafĂŒr ist ein basischer Bereich von pH 8–8,5 nötig. Viele von euch werden wissen, dass
beispielsweise Essig sehr gut gegen Kalk hilft, weil es eine SĂ€ure mit niedrigem pH-Wert ist. FĂ€llt der pH-Wert also stark ab, bekommen unsere Korallen ernste Probleme.

Der pH-Wert im (Meerwasser-)Aquarium wird durch die Umgebung beeinflusst

Sauerstoff (frische Luft, Photosynthese der Korallen) lĂ€sst den pH-Wert steigen. CO2 (Abfallprodukt durch Atmung, schlecht gelĂŒfteter Raum) senkt den Wert. Am Tage arbeiten die Korallen und Algen im Aquarium – durch das Licht und Photosynthese wird Sauerstoff erzeugt und der PH-Wert ist hoch.

Im Allgemeinen ist gegen Abend der pH-Wert am höchsten mit etwa 8,3–8,5. Im Gegenteil dazu fĂ€llt der Wert schnell ab sobald die Beleuchtung aus geht. Nach wenigen Stunden sind wir meistens nur noch bei einem Wert von ~8,0.

Einige Meerwasseraquarien erreichen in der Nacht einen Tiefstwert von 7,8. Bei 7,5 wird es kritisch und Korallen können SchÀden davon tragen. Uns ist also ein guter Gasaustausch im Meerwasser sehr wichtig.

Hier kommt der AbschÀumer ins Spiel!

Der Gasaustausch durch den AbschÀumer

Der AbschĂ€umer kann genau diese Schwankungen des pH-Werts bis zu einem gewissen Grad ausgleichen indem er das Becken nachts mit Umgebungsluft versorgt. Ihr braucht aber keine Panik haben! Ein Abrutschen auf einen kritischen pH-Wert ist höchst unwahrscheinlich und ihr mĂŒsst euren pH-Wert nicht unbedingt bestimmen können.

Wenn ihr immer eine ordentliche OberflÀchenbewegung des Wassers im Aquarium durch Strömungspumpen habt, dann kann man diesen Punkt vernachlÀssigen. Sowas wird erst relevant wenn ihr wirklich in den High-End-Bereich wollt.

Was Du ĂŒber den AbschĂ€umers zum Start des Meerwasseraquariums wissen solltest:

Was Du ĂŒber den AbschĂ€umers im Meerwasseraquarium wissen solltest

Ein AbschÀumer kann pH-Schwankungen abfangen und Konstanz ist ohne Zweifel das oberste Ziel in unseren Meerwasseraquarien.

Solltet ihr also einen AbschÀumer einsetzen, dann schaltet ihn auf keinen Fall nachts aus! Denn damit erzeugt ihr unnötig starke Schwankungen und diese solltet ihr tunlichst vermeiden.

Korallen und NĂ€hrstoffe im Meerwasseraquarium

Korallen und NĂ€hrstoffe

Jedes Tier auf unserer Erde benötigt NĂ€hrstoffe um das eigene Überleben zu sicher und final ĂŒberschĂŒssige Energie in Wachstum zu ĂŒbertragen. Jeder kennt wohl den Spruch „Du musst dein Essen aufessen wenn du groß und stark werden willst!“.

Das trifft auch fĂŒr unsere Korallen zu. Diese können aber einen Großteil ihrer Nahrung nur aus dem Wasser holen können, denn sie leben ja in Symbiose mit einer Algenart (sogenannte Zooxanthellen).

Daher mĂŒssen die NĂ€hrstoffe im Wasser auch im richtigen VerhĂ€ltnis zueinander stehen!Im Sinne der Korallen sprechen wir meistens von NO3/Nitrat (ideal 1-20mg/l) und PO4/Phosphat (ideal 0,03-0,1mg/l). TatsĂ€chlich umfasst es aber noch mehr Elemente, wie auch Kalium, Eisen, Silikat und weitere.

Die Symbiosealgen produzieren durch die Photosynthese Glucose fĂŒr die Koralle und gleichzeitig bietet die Koralle der Alge einen gewissen Schutz und die Koralle versorgt die Alge mit den wichtigen Stoffe fĂŒr ihre Arbeit. Jetzt könnte man meinen „Mehr ist besser!“. Aber so einfach ist das nicht. Haben wir zu viele NĂ€hrstoffe in unserem Wasser, dann verliert die Koralle die Kontrolle ĂŒber ihre Symbiosealgen und deren Steuerung.

Vermehren sich die Zooxanthellen in diesem Fall zu stark. Dies fĂŒhrt im ersten Schritt dazu, dass die Koralle ihre Farbe verliert und braun wird (man nennt das einbraunen).

Damit kommt das Gleichgewicht der Symbiose beider Lebewesen aus dem Gleichgewicht.

Sollte der Zustand anhalten, dann kann es (vereinfacht gesagt) dazu kommen, das sich die Koralle selbst auffrisst. Das ist aber erst ein sehr extremes Ereignis, dass eher selten eintritt. Was wahrscheinlicher passiert ist, dass wir keine NĂ€hrstoffe mehr im Wasser haben. Sollten die NĂ€hrstoffe stark absinken, dann reagiert die Koralle als erste Maßnahme darauf und stĂ¶ĂŸt Algen ab.

Diese Situation kann man auch beobachten. Es kommen braune FĂ€den aus dem Maul der Koralle. Mit weniger Symbiosealgen gibt es „weniger MĂ€uler zu stopfen“. Haben wir nun aber keine NĂ€hrstoffe mehr, dann reagiert die Koralle mit fetzartigem Verlust von Gewebe.

Das ist der viel viel schlimmere Zustand. Denn dieser Verlust geschieht vor allem bei SPS extrem schnell und eine handgroße Koralle kann ĂŒber Nacht zur hĂ€lfte am nĂ€chsten morgen weiß/tot sein! Ein Zustand der um jeden Preis zu vermeiden ist! Speziell am Anfang des Aquariums kann das schwer sein. Speziell mit totem Gestein. Denn darauf bilden sich auch Bakterien, Algen und allerhand anderer Organismen.

Alle benötigen NÀhrstoffe dabei und viele von uns leiden speziell am Anfang unter extremen NÀhrstofflimitierungen/NÀhrstoffmangel.

Wie kommen also NĂ€hrstoffe in unser Meerwasserbecken?

In erster Linie ĂŒber Futter und unsere Fische. Die Fische stoßen ĂŒber ihre Kiemen (unter anderem) Ammonium/Ammoniak aus. Das ist Nahrung. Aber im Grunde generiert jedes Futter/totes Tier beim Sterben wieder NĂ€hrstoffe. Diese können auch als sogenannte NĂ€hrstoffdepots in den Steinen (zB bei lebenden Steinen durchabsterben Organismen im Gestein) gebunden sein und langsam ans Wasser abgegeben werden.

Im Meerwasser wird nichts verschwendet. In unseren Nanoaquarien sind Fische aber Mangelware. Und Wirbellose erzeugen nur wenige NĂ€hrstoffe. Es kann also durchaus dazu kommen, dass wir kĂŒnstlich mit verschiedenen PrĂ€paraten NĂ€hrstoffe ins Wasser dosieren mĂŒssen.

Das korrekte NĂ€hrstoffeniveau ist also wichtig!

Aber brauche ich nun einen AbschÀumer?

Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten, da die Entscheidung vielschichtig ist, wie wir gelernt haben. Sowohl der Einsatz als auch das Fehlen eines AbschÀumers hat Vorteile bzw. Nachteile.

Die Hauptaufgabe des AbschÀumers bleibt es, die NÀhrstoffe (vereinfacht Abfallprodukte) im Aquarium auf einem optimalen Niveau zu halten.

Die Stabilisierung des pH-Werts im Meerwasseraquarium durch den AbschĂ€umer ist ein Bonus. Wir mĂŒssen also jedes Aquarium individuell betrachten. Solltet ihr in eurem Aquarium hohe NĂ€hrstoffe nachweisen können oder relevante Mengen an Fisch haben und ggf. noch wenige Korallen, dann wird ein AbschĂ€umer sehr wahrscheinlich nötig sein. Da aber dieser Zustand nicht oft in Nanoaquarien vorkommt, werdet ihr im Nano-Meerwasseraquarium wahrscheinlich keinen benötigen.

Welchen AbschÀumer solltest Du nun wÀhlen?

Gerade bei Nanomeerwasseraquarium sollte der AbschĂ€umer natĂŒrlich, wenn Du ĂŒberhaupt einen benötigst (Fischbesatz fĂ€llt auf Grund der GrĂ¶ĂŸe hĂ€ufig weg), zur BeckengrĂ¶ĂŸe passen.

Du musst dann selbst wissen, ob es ein im Aquarium zu betreibender AbschÀumer oder ein sogenannter Hang-On-AbschÀumer sein soll.

FĂŒr grĂ¶ĂŸere Riffaquarien mit extra Technikbecken ist die Auswahl schon etwas grĂ¶ĂŸer!

Mein Fazit zum AbschÀumer im Nano-Meerwasseraquarium

Man kann also sagen, dass an unserem ursprĂŒnglichen Spruch „Ein Nano-Aquarium braucht keinen AbschĂ€umer“ ist viel Wahrheit. Er kann aber individuell nötig werden!

FĂŒr mich war es gerade am Anfang super wichtig, möglichst wenig Technik im Nano-Riff zu haben. Lediglich eine Strömungspumpe und ein Heizstab befinden sich im Aquarium selbst. Außerdem werde ich sowieso, bis vielleicht 1 oder 2 Nanogrundeln keine Fische, die einen AbschĂ€umer im Meerwasserbecken notwendig machen wĂŒrden, einsetzen.

Wie sind deine Erfahrungen in Sachen AbschÀumer im Meerwasseraquarium?

Wie sieht es mit dir aus? Nutzt du einen AbschÀumer in deinem Nano-Meerwasseraquarium? Oder klappt es, wie bei mir auch gut ohne einen AbschÀumer?

Hinterlasse doch gerne mir und gerade den AnfĂ€nger*innen deine Tipps und Erfahrungen in Sachen AbschĂ€umer im Nano- und großem Meerwasseraquarium!

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